Die Arbeiterwohlfahrt gehört zu den sechs Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege in Deutschland.
Die Wurzeln reichen zurück in die Zeit der Industrialisierung zu Beginn des letzten Jahrhunderts. In den großen Städten gab es großes Elend, Helfer organisierten Näh- und Wärmestuben und versuchten, die Ursachen und Begleiterscheinungen von Straßenhandel und -bettel von Kindern zu mildern. Da lag der Gedanke nahe, die vielen Freiwilligen zusammenzufassen, ihre Erfahrungen und Fähigkeiten in eine große Wohlfahrtsorganisation einfließen zu lassen. Das war etwas Neues, denn zu jener Zeit galt die Meinung, dass Armut und Not eine Frage persönlichen Versagens sei.
Der Arbeiter lehnte diskriminierende Leistungen der öffentlichen Armenpflege ab. Er verlangte, an der Gesetzgebung und an der sozialen Praxis beteiligt zu werden. Das führte auf Initiative der Reichstagsabgeordneten Maria Juchacz zur Gründung der AWO im Dezember 1919 unter dem Motto: Selbsthilfe der Arbeiterschaft.
Das Jahr 1933 brachte das Ende der segensreichen Arbeit.
Als der 2. Weltkrieg ein zerstörtes und geschundenes Land hinterließ, sammelten sich die ehemaligen Helfer und Helferinnen in Nähstuben, Volksküchen, bei der Ausgabe der Hoover-Kinderspeisung und von Care-Paketen. Maria Juchacz organisierte als Emigrantin in den USA den Versand dieser Pakete nach Deutschland.
Die Wiedergründung der AWO erfolgte 1946 bundesweit, als politisch und konfessionell unabhängige Organisation. Bereits 1947 gründeten auch in Oberkochen einige sozial engagierte Männer (!) den AWO-Ortsverein Oberkochen e.V., der bis heute auf vielerlei soziale Aktivitäten verweisen kann.
Die AWO ist unter den Verbanden der Freien Wohlfahrtspflege auf Grund ihrer Geschichte und ihres gesellschaftspolitischen Selbstverständnisses ein Wohlfahrtsverband mit besonderer Prägung. In ihr haben sich Frauen, Männer und junge Menschen als Mitglieder und als ehren- und hauptamtlich Tätige zusammengefunden, um in unserer Gesellschaft bei der Bewältigung sozialer Probleme und Aufgaben mitzuwirken und um den demokratischen, sozialen Rechtsstaat zu verwirklichen.
Erinnerung an die Tanzkreis-Gründungsmitglieder
Der Seniorentanzkreis des AWO-Ortsvereins Oberkochen (ursprünglich 1978 als Ableger der Caritaskonferenz ins Leben gerufen) wurde im Jahr 1978 gegründet.
Gründungsjahr: 1978
Träger / Leitung: Arbeiterwohlfahrt (AWO) Oberkochen (geprägt und geleitet von Gerda Böttger).
Treffpunkt: verschiedene Treffpunkte, heute AWO Treff Oberkochen (Katzenbachstraße 5, 73447 Oberkochen) Über 40 Jahre Existenz unter der Leitung von Gerda Böttger.
Der Tanzkreis des Oberkochener Ortsvereins der Arbeiterwohlfahrt war 2018 ins Schwabenalter gekommen. Durch Corona und leider abnehmende Teilnehmerzahlen wurde der Tanzkreis eingestellt.
Viele Stationen und Veranstaltungsorte haben den Tanztreff in Bewegung gehalten.
Die Domizile waren im damaligen Zeiss Jugendclub, in der ehemaligen Zeiss-Kindertagesstätte, durch Zeiss-Personalchef Albert Schäffauer, der auch AWO-Kreisvorsitzer war, weiter ging es im Kinderhaus Gutenbach, die Stadt übernahm die Leitung, auch im Bürgersaal des Rathauses hatte der Tanzkreis schon sein Domizil. Die längste Zeit weilte man im Schillerhaus, welches später dem Heimatverein zur Verfügung gestellt wurde. Die AWO musste weichen. Malermeister Willi Schönherr, der Bruder von Frau Gerda Böttger, hat seinen Ausstellungsraum der AWO zur Verfügung gestellt. Dieser wird bis heute genutzt, ein Dank an Willi Schönherr an dieser Stelle.
Der „AWO-Treff ist geboren und passt, dort werden wir auch unsere Sitzungen abhalten“, freute sich Gerda Böttger.
Diese beliebte Veranstaltung wurde im Generationentreff „Gemeinsam statt einsam“ fortgeführt. Heute wird nicht mehr das Tanzbein geschwungen, sondern durch Gymnastik im Sitzen abgelöst. Hier zeigt Gerda Böttger immer neue Bewegungsabläufe die sie in Ausbildungen und Lehrgängen erlernt hat. Diese kleinen Übungen sollen zu einem weiteren üben im häuslichen Umfeld anregen, um die Beweglichkeit zu erhalten.
Außer Gerda Böttger, eine der Organisatorinnen, werden aus der Gründerzeit nicht mehr viele am Leben sein.
Ein Tanzkreismitglied jener Zeit, Hedy Bittner, hat damals einen kleinen Tischläufer (siehe Bild) bestickt mit den Namen der Mitglieder, die schon lange nicht mehr leben, jedoch im Gründungsjahr regelmäßig das Tanzbein geschwungen haben.
Der Tischläufer mit den Namen der Gründungsmitglieder
Über Jahrzehnte hing der Läufer im Clubraum am Gutenbachweg an der Wand. Beim Auszug aus den Räumlichkeiten wurde der Läufer abgenommen. Er erinnerte viele Jahre an die damals Aktiven. Dabei waren: Martha Pilling (Trainerin), Hedy und Erich Bittner, Marianne Ditschler, Friedl Arndt, Marga Reck, Elfriede Nikelski, Ewald und Bertl Kaufmann, Franz Reginek, Ella Paap, Gerda Roß, Johann Heinisch, Gertrud Müller, Else Grösch, Käthe Gold, Martha Jäcksch, Zita Blobel, Jarmila Meissner, Hilde Felber, Karlheinz und Hanna Oeser, Elli Schölpert, Barbara Korn, Gretel Gerber, H. Draheim, Irmgard Lapp, H. Siegmund, Emmi Anastasiadis, Helene Hopfe.
Als kleines Glanzlicht im Jubiläumsjahr gab es eine Busfahrt an den Härtsfeldsee, um dort dem Open Air-Konzert des Shanty-Chors aus Heidenheim zu lauschen.
Die AWO dankte seinerzeit Inge Grein-Feil, der Vorsitzenden von Freunde schaffen Freude, für die Organisation der Veranstaltung.
Autor: Thomas Geißler Quellen: Auszug aus dem Bericht in der SchwäPo vom 21.04.2021, Homepage der AWO, Recherchen Internet